Haus aus dem Katalog – das Fertighaus
Grundsätzlich besagt der Begriff „Fertighaus“, dass das Haus nicht – wie beim Massivbau – auf der Baustelle gebaut wird, sondern die einzelnen Teile werden in einer Fabrik in Fertigungsstraßen hergestellt und vor Ort aufgestellt. Da die Wandstärken bei einem Fertighaus deutlich geringer sind, ist es entsprechend leichter, die geforderten Energiewerte für Passivhäuser zu erreichen. Die Fertigbauweise wurde in den 70er Jahren flächendeckend bekannt. Während es zu Beginn nur standardisierte Häuser gab, an deren Abmessungen sich nichts ändern ließ, ist die Branche inzwischen technisch so weit entwickelt, dass auch individuelle Kundenwünsche problemlos berücksichtigt werden können. Fertighäuser können in drei verschiedenen Bauweisen hergestellt werden. Man unterscheidet zwischen der Holzrahmenbauweise, der Holztafelbauweise und der Stahlbetontafelbauweise.
Ablauf eines Bauvorhabens
Der Bauherr entscheidet zunächst, welcher Haustyp für ihn infrage kommt. Die Planungsvorbereitungen erfolgen dann in der Regel gemeinsam mit dem Fertighausanbieter. Über die unterschiedlichen Bautypen kann man sich sowohl per Katalog als auch in einer Fertighausausstellung informieren.
Selbstverständlich müssen die Gegebenheiten des Grundstückes sowie die Vorschriften der regionalen Baubehörden beachtet werden. Ist die Entscheidung für ein Fertighaus gefallen, wird beim zuständigen Bauamt ein Bauantrage eingereicht, um die Baugenehmigung zu erhalten. Bevor das Haus in die Produktion geht, wird eine sogenannte Bemusterung vorgenommen. Hier werden alle die Details besprochen, die für den Bauantrag nicht relevant waren, für den Bauherren aber wichtig sind. Bei diesem Beratungsgespräch geht es unter anderem darum, wie die Fassade aussehen soll, welche Dacheindeckung gewählt wird und um den Innenausbau des Hauses. Auch die gesamte Haustechnik sowie Art und Beschaffenheit von Fenstern und Türen werden nun festgelegt. Anhand dieser Bemusterung wird die Leistungsbeschreibung für den Fertighausbau erstellt. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, werden die Hausteile produziert. Die Baugrube wird ausgehoben, die Fundamente werden gesetzt und je nach Planung wird entweder der Keller gebaut oder die Bodenplatte errichtet.
Variationen
Fertighäuser werden in unterschiedlichen Variationen angeboten. Ein Fertighaus kann als Bausatzhaus, als Ausbauhaus oder als schlüsselfertiges Haus gekauft werden. Eigentlich entspricht das Bausatzhaus nicht dem klassischen Modell des Fertighauses. Hier liefert das Unternehmen alle erforderlichen Baustoffe, der Hausbau des Hauses erfolgt durch den Bauherrn. Bei einem Ausbauhaus handelt es sich um ein Fertighaus, dessen äußere Hülle von der Fertighausfirma angeliefert und aufgebaut wird. Es ist also die klassische Rohbauvariante, bei der der Bauherr selbst sowohl für die Fassadenarbeiten als auch für den Innenausbau komplett allein verantwortlich ist. Der Fertighausanbieter ist nur für die Produktion und den Aufbau der Wände, Decken, des Dachstuhls und der Dacheindeckung zuständig. Was genau sich hinter dem Begriff „schlüsselfertiges“ Haus verbirgt, sollte der Bauherr aus der Leistungsbeschreibung entnehmen. Es gibt Anbieter, bei denen der Innenausbau komplett fertiggestellt wird und der Bauherr sofort nach Schlüsselübergabe einziehen kann. Andere schließen bestimmte Leistungen wie Teppiche, Tapeten oder Versorgungsleitungen aus.
Vorteile & Nachteile
Vergleicht man die Bauzeiten von einem Fertighaus mit dem eines Hauses in Massivbauweise, liegt der erste Vorteil klar auf der Hand. Der Bauverlauf ist wesentlich schneller. Durch den schnellen Aufbau ist auch die Gefahr von Witterungseinflüssen deutlich minimiert. Da Lohnkosten den größten Anteil an den Baukosten einnehmen, ist eine deutliche Einsparung gegenüber der Massivbauweise zu erkennen. Ein weiterer Vorteil sind die dünnen Wände eines Fertighauses. Sie bieten mehr Raum und haben entweder die gleiche oder sogar eine bessere Wärmedämmung als massiv hergestellte Wände. Allerdings haben Fertighäuser nicht nur Vorteile. Durch die standardisierte Herstellungsweise bleibt weniger Raum für kreative Veränderungsmöglichkeiten. Da es sich bei den meisten Fertighäusern und Holzkonstruktionen handelt, wird ihnen eine kürzere Lebensdauer nachgesagt als massiv gemauerten Häusern. Im Bereich der Gebäudeversicherung fallen für Fertighäuser häufig höhere Versicherungsprämien an. Ein Nachteil, der global zu betrachten ist, besteht darin, dass Fertighäuser traditionelle regionale Baustile in den Hintergrund drängen oder sogar vielleicht ganz verschwinden lassen könnten.
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